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Mountain Marathon Cup

Im vorigen Jahr hatte ich das Berglaufen zum Thema. Nun habe ich die Mühen des Trainings auf mich genommen, um fit für die Bergmarathonläufe zu sein. Innerhalb eines Vierteljahres wurden drei Marathonläufe durchgeführt. Der LGT Alpin Marathon in Liechtenstein, der Zermatt- und der Jungfrau-Marathon in der Schweiz.

 

Bergmarathon und Stadtmarathon erfordern sehr unterschiedliche Trainingseinheiten. Bergeinheiten mit mindestens 10 - 15 % Steigung über mehrere Kilometer müssen mit der geeigneten Schrittlänge geübt werden. Schmale Pfade an steilen Hängen erfordern psychische Stärken, ebenso das Laufen ohne die unterstützenden, aufmunternden Zurufe der Zuschauer. Durch das unebene Gelände kommt man immer aus dem Laufrhythmus. Die dünnere Luft auf über 2000 Metern schränkt die Leistungsfähigkeit etwas ein. Und das Bergablaufen ist für mich fast anstrengender als das Berganlaufen.

Zuerst ein paar Zahlen: 126,585 km Streckenlänge; 5.573 Höhenmeter (HM); 16:29:23 Stunden Gesamtlaufzeit; ca. 2.100 km Trainingskilometer; 2 paar Schuhe plattgelaufen.

Nun zu den Läufen:

 

6. Juni 2009 LGT Alpin Marathon: 1800 HM; 5:20 Std.

Marathonlaufen in Liechtenstein - geht so etwas? Und wie! In Liechtenstein hat man die wohl einmalige Gelegenheit, ein ganzes Land mit einer Grenzgesamtlänge von 70 km und all seinen Facetten in einem einzigen Lauf zu erkunden.

Gestartet wurde in der Rheinebene bei Bendern auf ca. 480 HM. Zum Start hatte der Himmel seine Schleusen geschlossen. Die ersten ebenen 10 km durch Wiesen und Felder, großteils am Rhein entlang, waren gerade recht zum Warmlaufen. Imposant türmten sich die Berge am Horizont. Mit großem Hallo wurden wir sodann in Vaduz, der Kapitale des Kleinstaats, empfangen. Der Motivationsschub durch die anfeuernden Zuschauer kam gerade recht. Denn nun ging es zur Sache. Nicht nur, dass sich die Himmelsschleusen wieder öffneten, sondern die über 1000 HM mussten auf dem zweiten Streckenviertel bewältigt werden.

Vorbei am hoch über Vaduz thronenden Fürstenschloss schraubte sich die Strecke auf guten, vielfach asphaltierten Wegen über die malerischen Dörfer Triesenberg und Silum immer weiter empor. Der Lohn der Mühen: Ein mit zunehmender Höhe immer großartigeres

Panorama über die Rheinebene. So sprechen die Vielfachläufer. An diesem Tag liefen wir immer höher in die Regenwolken. Es wurde auch kälter.

Mit der Silumer Höhe (1539 HM) bei km 21 war die erste große Hürde genommen. Hier stiegen einige Marathonis auf Grund des Wetters aus. 350 Meter ging es nun auf der anderen Seite der Passhöhe hinab ins Saminatal und dann zumeist auf Naturwegen in stetigem leichtem Auf und Ab durch die weitgehend unberührte Bergwelt Liechtensteins. Durch Sprünge über kleinere Wasserfälle wurde der Laufrhythmus immer wieder unterbrochen.

Fast schon hektisch wirkten da die bestens ausgestatteten Versorgungsstationen alle 5 km. Das Personal tat mir Leid, sie froren im strömenden Regen, halfen mir die Bananen von ihrer Schale befreien. Mir waren die Finger und Hände so steif, dass ich es nicht konnte. Richtig anstrengend wurde es erst wieder bei km 32. Aus dem Valorschtal heraus ging es auf winkeligen, steilen Bergpfaden durch urwüchsige Natur im Schneckentempo 300 HM zum Sass Fürkle (1786 HM) hinauf. Hinter diesem höchsten Streckenpunkt ging es (fast) nur noch bergab. Schon wenig später war der Lautsprecher in Malbun (1599 HM), Liechtensteins Wintersportzentrum, zu hören, das Ziel aber war noch längst nicht zu sehen und erreicht. Erst mussten wir Malbun auf einem 5 km langen, luftigen Höhenweg umrunden, ehe wir aus den Wolken kommend den begeisternden Zielempfang im Ortszentrum trotz des Regens und 6°C genießen durften.

 

4. Juli 2009 Zermatt-Marathon: 1944 HM; 5:36 Std.

Gestartet wurde in St. Niklaus auf 1116 HM, im Mattertal, dem tiefsten Tal der Schweiz. Das Ziel lag auf dem Riffelberg am Gornergrat (2585 HM). Oft in Sichtweite der Matterhorn-Gotthard-Bahnlinie, ging es auf guten Wegen leicht ansteigend oder eben hinein ins Nicolaital, vorbei an mehreren kleinen Ortschaften bis bei km 14,7 Täsch (1439 HM) erreicht wurde. Hier endet der Autoverkehr. Nach Zermatt kommt man nur per Zug weiter - oder wie wir zu Fuß. Über die kleine Vispabrücke wurde ein schmaler, steiniger und von Wurzeln durchzogenen Pfad erreicht, der einem die volle Konzentration abverlangte. Nach vielen Aufs und Abs landeten wir direkt in der Zermatter Bahnhofstraße (Halbmarathon). Alte Holzhäuser

und viele Zuschauer gaben uns Mut für die zweite, anstrengendere Hälfte. Und der Blick auf die einmalig schöne, weiße Bergpyramide, das Matterhorn beeindruckte noch.

Das sollte sich ändern. Nach einer Schleife durch blühende Wiesen und einem kleinen Wald kamen wir noch einmal zurück in den Ort und liefen nun auf meist breiten Wirtschaftswegen hinauf nach Sunegga (2262 HM). Schon unterwegs hatten wir immer wieder einen herrlichen Blick auf das Matterhorn. Mit Ausnahme der Höhenmeter bereitete einem der Lauf bis hier hin keine besonderen Schwierigkeiten.

Die Wege wurden ab hier deutlich anspruchsvoller, schmal und steinig, alpin eben. Für mich war es etwas Neues, keine Bäume mehr zu sehen und nur über Felsen zu laufen. Oberhalb des Findelbaches ging es am Grindjisee vorbei in Richtung des Findelgletschers, bis bei Gant dann die Talseite gewechselt wurde und wir zum Grünsee liefen. Hier werden die berühmten Fotos mit dem See im Vordergrund und das Matterhorn im Hintergrund gemacht, Wenig später kamen wir zu einem Berggasthof und dann zum Luxushotel Riffelalm (2211 HM).

Nun waren es ja nur noch 3 Kilometer, aber was für welche. „Nicht nach oben sehen, nur weiter gehen", lautete die Empfehlung. 370 HM lagen zwischen hier und dem Ziel. Besonders steil war gleich das erste Stück den Wiesenhang hinauf, dann wurde ein etwas besserer Weg erreicht, der zur Bahnlinie führte. Parallel zu dieser zog sich der Weg dann mit 20 % Steigung dahin. Oben erwartet uns ein Dudelsackspieler im Schottenrock. Ich bin doch in der Schweiz, oder... Das letzte Stück konnte man noch einmal genussvoll abwärts laufen - die Anstrengungen waren fast vergessen - und das Matterhorn und die anderen 28 Viertausender auf sich wirken lassen. Doch es zog ein Gewitter auf und die Viertausender waren nur noch halb zu sehen. Schade.

 

5. September 2009 Jungfrau-Marathon: 1829 HM; 5:33 Std.

Der Jungfrau-Marathon war der teilnehmerstärkste dieser drei. In Interlaken auf 568 HM wurde gestartet. Bis Lauterbrunnen (810 HM - km 20/26) war der Lauf fast mit einem Stadtmarathon zu vergleichen, es waren nur weniger Zuschauer. Wir liefen nämlich auf meist guten Wegen und Straßen bei lediglich ca. 250 m Höhendifferenz. Ich genoss den Lauf bei herrlichem Wetter, obwohl ich etwas zu schnell war. An der Verpflegungsstelle am Ortsausgang von Lauterbrunnen habe ich kräftig zugegriffen. Denn jetzt ging es durch den Wengwald auf einem guten, aber sehr steilen Weg in Serpentinen hinauf nach Wengen.

Erst 3 Kilometer weiter und fast 500 Meter höher gab es die nächste Verpflegung, dann kam Wengen (1284 HM - km 30) mit weiteren Verpflegungsmöglichkeiten. Mein Sohn coachte mich hier, ich sah nicht gut aus, meint er. Ich wechselte die Kleidung und stellte mich auf die 2200 HM des Eigergletschers ein. Denn jetzt begann der Jungfrau-Marathon erst so richtig.

Den nächsten Boxenstopp machte ich an einem der vielen Massagestellen. Die Waden waren fest und hart, wurden aber durch fachkundige Hände wieder locker gemacht. Ich bedankte mich, typisch schweizerisch, überschwänglich und lief weiter. An einer der Verpflegungsstelle machte ich eine längere Pause, um bei diesem herrlichen Wetter die grandiose Bergkulisse mit Jungfrau, Mönch und Eiger zu genießen. Die Zeit wurde zur Nebensache. Noch 5 Kilometer und 300 HM waren es jetzt bis Wengernalp/ Wixi (1830 HM - km 38). Der Weg führte meist durch Wald, war breit, aber steinig und teilweise ziemlich steil. Auch hier erwartete uns ein Dudelsackspieler. Für mich war es motivierend. Nun ging es nach einem kleinen Waldstück oberhalb der Baumgrenze auf die Eigermoräne. Der Pfad war steil und schmal. Wer eine Verschnaufpause brauchte, wartete eine geeignete Stelle ab, wo er zur Seite gehen konnte. Auch auf diesem teilweise unwegsamen Gelände war eine Verpflegungsstelle eingerichtet, auch ein Hubschrauber konnte zur Not landen. Der höchste Punkt war bei 2205 m erreicht (km 40,5 - Eigergletscher), dann hatte die Qual ein Ende. Fast bequem ging es weiter und schließlich abwärts mit einem Lächeln ins Ziel Kleine Scheidegg (2061 HM), wo mich mein

Coach schon erwartete.

Fazit: Ein richtiger Bergläufer werde ich wohl nicht mehr werden. Irgendwie haben mir die Läufe aber doch Spaß gemacht. Allein die Bergpanoramen entschädigen für die Anstrengung. Am meisten habe ich mich darüber gewundert, dass ich jeweils am nächsten Tag wieder fit war und mich auf den nächsten Lauf einstellen und trainieren konnte.

 

Manfred Gordon