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New York Marathon 2012

Einen großen Traum wollten wir uns erfüllen - den New York Marathon mitzulaufen - das sollte es sein. Bereits Anfang 2011 fingen wir mit unseren ersten Planungen an, die wir dann im Februar letzten Jahres in einem örtlichen Reisebüro fest machten. Am 04. November 2012 laufen wir vier, Katharina und Rainer Bechtloff, Brigitte und Michael Redlin, den großen Lauf in New York.

 

Im August begannen wir endlich mit unserem Lauftraining, und die letzten Wochen flogen dahin. Beschäftigt mit den letzten Reisevorbereitungen verfolgten wir mit gemischten Gefühlen die Berichte über den Hurrikan, der auf die Ostküste von Amerika zusteuerte. Das konnte doch wohl nicht wahr sein! Unser Traum sollte in Erfüllung gehen, und die Natur machte uns einen Strich durch die Rechnung! Es lief doch alles planmäßig - nur die höhere Gewalt, die hatten wir nicht mit eingeplant.

Wenn die Stadt New York den Marathon nicht immer wieder bestätigt hätte (bis einschl. Donnerstagabend), wären wir wohl kaum geflogen, denn wir hatten uns bereits mit einer Umbuchung direkt zu unserem Anschlussurlaub beschäftigt. Mit gemischten Gefühlen saßen wir also am Donnerstagabend im Flieger Richtung New York, gespannt, was uns dort erwartete.

Auf der Stadtrundfahrt am nächsten Vormittag konnten wir uns ein Bild von der Macht des Sturmes in einer so großen Stadt machen. In den Straßen von Manhattan hatten einige Geschäfte immer noch keinen Strom und somit geschlossen. Auf den Straßen fuhren überwiegend Taxen und Busse, an den Straßenrändern sah man immer wieder, wie Keller leergepumpt und aufgeräumt wurden. Noch beeindruckt von den Bildern der Stadt, besuchten wir die „Marathon-Kick-off- Veranstaltung" unseres Reiseveranstalters. Die Vorträge von Prof. Dr. Thomas Wessinghage und Jörg Bunert stimmten uns und die anderen deutschen Läufer so richtig ein auf den Marathon. Ja, jetzt konnte es losgehen. Inspiriert von der Veranstaltung holten wir uns im Anschluss noch gleich unsere Startunterlagen auf der Expo ab. Dort war die Stimmung gut. Mit den Startunterlagen unterm Arm machten wir uns auf den Rückweg in unser Hotel am Broadway in der Nähe des Times Square.

Und als wir so gegen 18.30 Uhr mit den Startunterlagen am Fahrstuhl unseres Hotel stehen, werden wir von Herbert Steffny darauf hingewiesen, dass der Marathon vor zwölf Minuten abgesagt worden ist. Wir können es nicht glauben. Zum einen, dass wir diese Nachricht von Herbert Steffny überbracht bekommen und zum anderen, dass es nun wirklich passiert ist und der Marathon abgesagt wurde. Und jetzt? Die Enttäuschung, die sich augenblicklich in uns ausbreitete, ist nicht in Worte zu fassen, so viel geht jedem einzelnen von uns jetzt durch den Kopf. Die Reise, die Planung, das Training, die Freude, die Stadt .......... Oh nein!!!!!!

Der nächste Morgen kam, und die Stimmung war nicht besser. All die Läuferinnen und Läufer, die wir in unserer Hotellobby trafen, machten einen genauso verzweifelten Eindruck wie wir wohl selbst. Unser Reiseveranstalter kündigte uns noch vor Ort unseren Reisevertrag, die waren genauso ratlos wie alle anderen auch. So etwas gab es ja noch nie! Wir machten uns auf zum Sightseeing, denn Zeit hatten wir ja jetzt mehr als genug. Für den Sonntagmorgen wurde dann von den vielen verschiedenen Reiseveranstaltern noch ein „Lauftreffen“ im Centralpark angesetzt, dem so zwischen 10.000 und 20.000 Läuferinnen und Läufer folgten. Bilder, die wir wohl so schnell nicht vergessen werden.

Resümee unserer Reise zum New York Marathon 2012 – wir, und so geht es wohl einigen anderen Läufern auch, fühlen uns von der Stadt New York ziemlich herein gelegt! Der Stadt war es klar, dass der Marathon nach dem Sturm nicht durchführbar war, denn sie war auf das Empfindlichste getroffen! Die Bestätigungen des Laufes bis Donnerstagabend waren nur dazu gedacht, die Läuferinnen und Läufer in die Stadt zu locken, damit die Einnahmen im dreistelligen Millionenbereich (ca.340 Mio.) gesichert waren! Die Läuferinnen und Läufer waren bereits mit gemischten Gefühlen angereist, nicht gerade euphorisch, der in die Knie gezwungenen Stadt ein Event abzuringen. Wir hätten es verstanden, wenn die Stadt New York den Lauf gecancelt hätte – kein Problem. Nur so war es eine Farce – für alle! Wie viele wollten sich einen Traum erfüllen. Wir glauben nicht, dass sie ein zweites Mal diesen Versuch in New York wagen werden. Wir jedenfalls haben es zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht wieder geplant.

 

Brigitte Redlin

NewYork