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Ein Läuferleben

oder die Motivation zweimal die Erde zu umrunden

Ich bin heute 53 Jahre alt und betreibe leidenschaftlich Ausdauersport in den unterschiedlichsten Varianten seit meinem 20.Lebensjahr. Seit knapp dreieinhalb Jahrzehnten hat der Sport daher einen recht großen Anteil an meinem Leben.

Doch von Anfang an:

In der C-Jugend habe ich mal Fußball gespielt, und zwar in meiner alten Heimat, beim MTV Gerdau. Nach einem guten halben Jahr gab ich jedoch schnell wieder auf, es war nicht mein Ding! Mit Sport hatte ich in der darauf folgenden Zeit, außer in der Schule, sehr wenig am Hut.

Durch meinen Eintritt in den Bundesgrenzschutz im November 1978, als 19jähriger, begann für mich ein ganz neues Leben. Zu diesem Leben gehörte damals gezwungenermaßen auch die intensive körperliche „Ertüchtigung". Teil der Ausbildung war es, die körperliche Leistungsfähigkeit zu steigern und zu beweisen. Nach meiner damaligen selbstkritischen Betrachtung erkannte ich bei mir deutliche Defizite bei technischen Disziplinen. Motorisch lag ich nicht im Vorderfeld meiner Ausbildungskollegen. Dafür machte mir aber das Laufen immer mehr Spaß. Ich war nach ein paar Monaten so gut trainiert wie die Besseren. Ich fing dann, so glaube ich mich zu erinnern, im Sommer 1979 zusätzlich am Wochenende zuhause zu laufen und ich wurde immer besser!

laeuferleben1Mein Trainingspensum steigerte sich dann Jahr für Jahr. Mir machte es immer mehr Spaß und ich genoss die Bestätigung, die nach und nach aus meinem Training und meinen Leistungen erwuchs.

Viele Meilensteine meiner Sportlerjahre habe ich nachfolgend chronologisch beschrieben.

Während dieser sportlichen „Karriere" trat ich 1985 in unseren MTV ein und fand dabei recht schnell Anschluss an die anderen Leichtathleten. Wir waren eine große bunte Gruppen, beider Geschlechter und aller Altersgruppen. Die Gruppe ist zwar heute kleiner, trotzdem schaffen wir es noch ab und zu gemeinsam Sportveranstaltungen zu besuchen.

In den Jahren 1990 - 99 habe ich unseren schönen Ilmenaulauf mit organisiert. Es hat mir viel Spaß gemacht, mit anderen gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Ich fand es klasse zu beobachten, wie die Beliebtheit unseres tollen Laufes immer weiter stieg und die Teilnehmerzahlen anwuchsen. Die Zusammenarbeit in dem harmonischen Organisationsteam hat mir viel gegeben und ich als Läufer konnte damit dem MTV und den anderen Läufern etwas wiedergeben von dem, was ich als Aktiver anderswo bekam oder in Anspruch nahm.

Aus gesundheitlichen Gründen habe ich mich 2009 fast ganz von den Wettkämpfen zurückgezogen, laufe aber heute noch zwischen 30 und 40 km pro Woche. Das macht mir immer noch Spaß und erhält meine Fitness.

Damit, so denke ich, habe ich meinen Weg beschrieben, zum

Achim Leip, dem Läufer!

Am 18. Oktober 2012 hatte ich lt. meinen recht genauen Aufzeichnungen über die letzten 32 Jahre, 80.150 km laufend zurückgelegt. Das entspricht dem doppelten Erdumfang von 40.075 km, oder anders betrachtet, in diesem Zeitraum knapp 7 km am Tag.

Das Laufen ist ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens! Als ich ein paar sehr belastende Jahre durchmachte, sagte mir ein damaliger Freund, dass ich ohne diesen häufigen aktiven Stressabbau längst viel viel größere Probleme hätte.

Ich merke an mir selbst, wie gut ein lockerer einstündiger Dauerlauf tut. Das Gefühl danach ist einfach super und einem Nichtsportler sehr schwer zu beschreiben. Hoffentlich kann ich mich noch lange joggenderweise durch alle möglichen Orte und Gegenden bewegen. Durch mein anschließendes Lauftage- oder jahrbuch möchte ich auch zusätzlich jeden Anderen motivieren diesen sehr gesunden Sport zu betreiben. Es muss ja nicht so „ausufern" wie bei mir!

Meine genauen Aufzeichnungen beginnen 1986, in den Jahren davor habe ich nur meine Jahresgesamtkilometer festgehalten. 1981-83 bin ich zusammen 1.200 km gelaufen. Im Jahre ´84 waren es schon 1.000 und ´85 schließlich 1.500 km. In diesen Jahren hatte ich begonnen an Volksläufen teilzunehmen.laeuferleben2

Meine Vorliebe waren dabei Strecken von 10 km oder auch weniger. Selten lief ich damals die angebotenen Langstrecken von 20 oder mehr Kilometer. Bei einem dieser Läufe lernte ich seinerzeit den Laufkameraden Eckard kennen. Dieser lief damals mit Vorliebe die längeren Strecken.

Und bei einem unser gemeinsam besuchten Veranstaltungen im Spätsommer 1985 erzählte er mir die unglaubliche Geschichte, dass er vor hatte, bei einem Marathonlauf zu starten.

Ich hielt ihn augenblicklich für größenwahnsinnig und wies daraufhin, dass das bedeutet über 40 km an einem Stück zu laufen. Er hatte das aber fest vor und trainierte eisern für seinen Ersten im November ´85 in Hamburg Neugraben. Er setzte dieses Vorhaben dann auch erfolgreich in die Tat um und verkündete bei unserem nächsten Zusammentreffen außerdem seinen nächsten Marathontermin: Am 25. Mai 1986 werde erstmals in Hamburg ein Stadtmarathon ausgetragen und er sei dabei!

laeuferleben3Nun gab es auch für mich kein Halten mehr. Ich meldete mich auch an und begann konsequent daraufhin zu trainieren. Ich lief damals vom 1. Januar ´86 bis zum Lauf 1.450 km als Vorbereitung. Mein Ziel, diese neue Herausforderung unter drei Stunden zu bewältigen, schaffte ich mit 2:56:41 Std. dank meiner guten Vorbereitung recht genau.

Jetzt war ich Marathonläufer, ein tolles Gefühl! Das schaffen nicht viele!

Im November ´86 lief ich dann noch meinen Zweiten in 3:06 Std. in Hamburg- Neugraben., und 2.920 km als Jahresumfang.

In den nächsten Jahren lief ich zwar jeweils 2-3 Marathons, legte aber meinen Schwerpunkt auf Bahnläufe. Aufgrund meiner 1,86m Größe und dem auch daraus resultierenden Gewicht (damals 78 kg) waren meine größten Stärken die 3.000 und die 5.000m.

Mit häufigem intensiven Intervalltraining schaffte ich es am 30.08.1989 erstmals die 5.000m in 15:54,9 min. zu laufen. Für mich damals eine Schallmauer, denn viele meiner Wettkampfgegner haben sich daran vergeblich versucht!laeuferleben4

Bis Ende 1990 war ich die Marathonstrecke 12mal gelaufen, und ich hatte mich dabei nach und nach weiter verbessert. Der Herbst ´90 sollte dabei meinen Leistungshöhepunkt bedeuten.

Nach 570 Laufkilometern in den letzten 5 Trainingswochen lief ich am 30.09.1990 in Berlin meine persönliche Bestzeit: 2:42:20 Std. Dafür belohnte ich mich nur 5 Wochen später mit einem Start beim New York Marathon.

Mit meinen Laufkumpels Eckard und Thorsten trat ich diese tolle Sporterlebnisreise an. Die Eindrücke von „Big Apple" halten bis heute an. Ich habe den dortigen Lauf in erster Linie als Erlebnislauf gesehen, und ich war ja auch noch nicht wieder vollständig erholt vom Berlin-Marathon, sodass ich mit dem Ergebnis von 2:54:07 Std. vollauf zufrieden war.

Im gleichen Jahr hatte ich auch mit 3.820 km mein höchstes Jahrespensum. 1991 profitierte ich dann noch von dieser Hochform, meine ewigen Bestzeiten über 5.000m in 15:42,6 min. und 10.000m in 33:11,0 min. waren der Beweis.

laeuferleben5Davon motiviert wollte ich es im Marathon in Hamburg am 24. Mai ´92 noch einmal wissen. Ich trainierte soviel wie nie, in 8 Wochen knapp 1.000 km, (Wochenspitze waren 135 km) und ich war auf den Tag topfit!

Aber es kam anders.

Am Veranstaltungstag bekamen wir mit 26 Grad sommerliche Temperaturen, und für den Lauf somit eine Hitzeschlacht. Ich lief zwar als 125. von ca. 8.000 Teilnehmern ins Ziel, blieb aber mit 2:43:51 Std. 4 Minuten hinter meinem gesteckten Ziel.

Jetzt erkannte ganz deutlich, dass mein Leistungszenit im Marathon erreicht war und suchte ein neues Ziel.

Ich beschloss im April ´93 einen Hunderter zu laufen! Das ist zwar deutlich weiter, aber auch langsamer zu laufen - das dachte ich mir. Zur Vorbereitung eines solchen „Ultras" gehören viele langsame lange Läufe, um die Fettverbrennung für den Wettkampf zu trainieren.

Nach 17 gelaufenen Marathons bis dahin, dachte ich mir aber, das geht auch mit deutlich weniger Aufwand. Mittlerweile war ich ja schließlich in meinem Läuferleben auch schon 27.800 km gelaufen. Ich ging in Hanau-Rodenbach beim dortigen Traditions-100km-Lauf an den Start. Ich fühlte mich auf den ersten 40 km recht gut, denn diese Entfernung kannte mein Körper ja.

Dann aber wurde es plötzlich zunehmend schwerer, sodass ich nach weiteren schweren 20 km nach 4:53 Std. aussteigen musste. Ein zweiter Versuch war eines meiner langfristigen Ziele, es ist aber nie dazu gekommen.

Im nächsten Jahr lief ich trotzdem meine persönlich allerbeste Zeit. Am 6. Juli 1994 in Müden an der Örtze rannte ich die 3.000m auf der Bahn in 9:04 min. Damit war ich in dem Jahr, in Niedersachsen, in der Bestenliste der M 35 an der 5. Stelle.

Die beste Platzierung im Marathon schaffte ich am 22.10.1995 beim „kleinsten Marathon Deutschlands" in Liepe im Wendland. Ich erreichte bei meinem 25. Marathon mit 2:49:52 Std. den 2. Gesamtplatz.

Am 30. Juli 1997 absolvierte ich einen Trainingslauf in Löbau, an der Tschechischen Grenze. Ich befand mich dort in einem dienstlichen Einsatz und an dem Tag hatte ich meine 1. Erdumrundung geschafft - 40.075 km

Fast 30.000 km davon in dem Zeitraum von 1987 - 95, von ´89 - ´93 sogar im Durchschnitt über 3.500 km. Danach wurden die Jahresumfänge weniger, allerdings bis 2008 immer noch so um die 3.000 km. Ich nahm dabei an vielen Wettkämpfen teil und belegte dabei meistens Plätze im Vorderfeld.

Wie stark unsere MTV-Läufergruppe war, bewiesen wir am 4. Juni ´95. Zehn von uns liefen als Staffel je 10 km in Hittfeld. Wir liefen damals die 100 km in 6:24:41 Std. und wurden Gesamtsieger.

Ein noch größeres „Highlight" bildeten aber unsere 24 Std.-Staffelläufe in Scharnebeck und Harburg. In den Jahren 1996, ´98, ´99 und 2001 stellten wir dort jeweils mindestens eine Mannschaft. Dabei galt es in 24 Stunden die größte Anzahl von ca. 1.600m langen Straßenrunden zu laufen. Maximal 12 Läufer/innen pro Team mussten sich dabei jede Runde abwechseln. Die besten von uns sind dabei oft über 40 km gelaufen. Mann, war ich Wochen später noch kaputt!

laeuferleben61996 siegten wir mit gelaufenen 378,2 km und 1998 wurden wir trotz viel größerer Konkurrenz Zweiter mit 371,1 km. Diese beide Wettbewerbe fand in Scharnebeck statt.

In Harburg wurden wir 1999 wieder Zweiter, trotz Konkurrenz aus dem ganzen Bundesgebiet. Meinen 30. Wettkampf über die Distanz von 42,195 km fand am 10.09.2000 in Berlin statt. In der Zeit von 3:21:47 Std. war dies allerdings nur ein Vorbereitungslauf für meinen Halbmarathon in Karlsruhe genau eine Woche später in 1:20 Std.

Einen zweiten reinen Erlebnismarathon nach New York bestritt ich am 18.03.2007 in Rom. Ich lief vor der historischen Kulisse 3:23:20 Std. kontrolliert locker, und als unmittelbares Ergebnis daraus 6 Wochen später in Hamburg noch mal 2:57:24 Std., als meinen letzten schnellen Marathon immerhin im Alter von 48 Jahren!

Meinen vorerst letzten, und 39. Marathon bestritt ich 2008 in Hamburg. Das war der 23. Hamburg-Marathon, und ich war bei allen am Start. Einen kleinen Schönheitsfehler bildet dabei nur der Lauf 1997, bei dem ich verletzungsbedingt aussteigen musste.laeuferleben7

Bei allen meinen Marathons entsteht eine Durchschnittsendzeit von 3:01:13 Std., und wenn ich die Trainingsmarathons davon abziehe eine Zeit deutlich unter 3 Stunden.

Im Jahre 2009 bremsten mich leichte Probleme mit dem Herzen. Mein Internist empfahl mir aber auf jeden Fall weiter zu laufen. Moderater Ausdauersport ist immer gut für den Herzrhythmus, war seine Empfehlung.

Daher betrachte ich meinen Sport heute viel mehr als Gesundheitsförderung, als im Gegensatz zu den früheren Jahren mit der Jagd nach Rekorden. Diese habe ich zur Genüge aufgestellt und blicke trotzdem gerne und stolz zurück. In den vergangenen vier Jahren bin ich dadurch „nur" noch auf jeweils ca. 1.500 km im Jahr gekommen.

Mein nächstes Ziel ist es die 100.000 km voll zu machen, und ich bin guter Hoffnung, dieses bis zu meinem 70. Geburtstag geschafft zu haben.

Für mich gehörte und gehört der Sport zum Leben und ich hoffe, dass das noch lange so bleibt!

 

Hans-Joachim Leip