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Der Rennsteigtunnellauf

Im Internet fiel mir die Ausschreibung vom Tunnellauf auf. Mein Trainingsplan sah für Sonntag, den 30.03.2003 einen langen Lauf im mittleren Tempo vor. Warum allein laufen, wenn ein wirklich einmaliger Lauf angeboten wird.

Der Tunnel, oder besser die Tunnel wurden im Zuge der Autobahn A71 gebaut. Auf der Hornepage war zu lesen: Im Streckenverlauf der Thüringer-Wald-Autobahn entstehen einige Bauwerke der Superlative.

 

Vom schönen Thüringer Wald, dem Hauptdarsteller meiner Veranstaltungen in diesem Jahr, dem Klassiker Rennsteig, dem größten Crosslauf Europas, sollte ich nur wenig mit bekommen. Aber zum Reimsteig komme ich später noch einmal zurück.

Diesmal ging es unter den Bäumen her, und die Attraktionen waren Bauwerke, Tunnel und Brücken. Gestartet wurde aus dem Industriegebiet von Zella-Mehlis, wo auch die gesamte Rennorganisation untergebracht war. In Zella-Mehlis fand ich auch unser Quartier.

Die Einstimmung auf diesen Lauf konnte mit denen der großen Stadtmarathons mithalten. Örtliche Fernseh- anstalten und Moderatorenteams brachten uns schnell in Stimmung.

Der Startschuss fiel pünktlich um 11.00 Uhr. Bereits nach 1,5 Kilometer kam das, warum wir alle nach Zella-Mehlis gekommen waren. Wir erreichten den ersten Autobahntunnel. Viele Läufer testeten den Schall und das Echo, stießen nach wenigen Tunnelmetern einen lauten Schrei aus. Der nur ein Kilometer lange Hochwaldtunnel

war aber nur die Einstimmung, bevor sich nach weiteren 800 Metern Frischluft die erste Hauptattraktion des Tages anschloss.

Wir liefen in den Rennsteigtunnel, mit rund 8.000 Metern der längste Autobahntunnel Deutschlands. Wie lang 8 Kilometer Tunnel sind, können sich auch Nicht-Teil­nehmer gut vorstellen, wenn sie an den Elbtunnel mit seinen 2,9 Kilometer denken.

Im Rennsteigtunnel machte ich die Bekanntschaft mit einer neuen Art der Laola-Welle. Von hinten kam plötzlich eine Akustikwelle herangebraust, schwappte über mich hinweg zum anderen Tunnelende. Eine Hand voll Läufer hatten damit angefangen ein lautes „Aaah" zu rufen, andere schlossen sich an und gleich einem daher brausenden ICE, schwappte diese „Ruf-Laola" einige Male von hinten kommend über uns hinweg.

Nach dem längsten Tunnel Deutschlands folgte mit der Talbrücke über das Tal der „Wilden Gera", die mit 552 Metern größte Autobahnbrücke. Ein traumhafter Blick ins Tal offenbarte sich uns Läufern. Ich blieb in der Mitte der 110 Meter hohen Brücke stehen und genoss den Blick in das schöne Tal. Von der Brücke aus betrachtet, erinnerte es mit seiner Eisenbahnstrecke, gleich neben einer schmalen Landstraße und dem kleinen Fluss an eine Modelleisenbahnlandschaft. Auch die unmittelbar folgende Schwarzbachtalbrücke überquerte ich etwas langsamer laufend, dafür aber sehr aufmerksam. Der dritte Tunnel folgte. Nach dem nur 886 Meter langen „Alte-Burg-Tunnel" kam schließlich der Wendepunkt nach 14 Kilometern und das einzige Stimmungsnest auf der sonst zuschauerfreien Strecke. Ein weiterer Moderator begrüßte die Läufer und rund 300 Fans applaudierten uns zu. Es folgte die gleiche Strecke in umgekehrter Reihenfolge und nach insgesamt 28 Kilometern wurden wir wieder vom unermüdlichen Moderatorenteam in Zella-Mehlis begrüßt.

Was wird mir von diesem einmaligen Lauf in Erinnerung bleiben? Ich war dabei, habe den wahrscheinlich einzigen Lauf durch Deutschlands längsten Tunnel gemacht. Die Strecke war nicht einfach, abwechselnd leichte Steigung und leichtes Gefälle gingen auf dem harten Asphalt und teilweise Beton ordentlich in die Beine. In den Tunneln war es ziemlich kalt, die wenigen Außenpassagen in der wärmenden Sonne taten gut. Insgesamt war es eine gute Vorbereitung auf mein eigentliches Ziel, den Rennsteiglaufam 17.05.2003.

 

Manfred Gordon