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Abenteuer Thüringen - der Rennsteiglauf

Freitag, den 16.05.2003 ging die Reise los. In Eisenach angekommen nahm ich die zuerst die Startunterlagen in Empfang. Das Frühstück am Sonnabend wurde bereits um 04:00 Uhr morgens angeboten. Das kam mir gelegen; denn ich brauche immer eine gewisse Vorlaufzeit. Der Start war um 06:00 Uhr auf dem Marktplatz in Eisenach. Obwohl ich bereits 11 Marathonläufe hinter mir habe, war ich aufgeregt wie beim ersten Mal. Nun aber kam der Startschuss, auf den sich mit mir knapp 1.500 Gleich­gesinnte freuten.

 

Solange die Strecke noch asphaltiert vvar, war das Feld dicht zusammen. Auf den Feldwegen zog es sich doch sehr bald in die Länge. Ich hatte mir zwar den Streckenverlauf angesehen, aber eigentlich doch nicht so ganz richtig. Denn sonst hätte ich gesehen, was mich auf den ersten 25 Kilometern bis zum Gr. Inselberg erwartete. Eisenach liegt mit 200 Metern über NN ziemlich tief, der Gr. Inselberg mit seinen 916,5 Metern gehört zu den höheren Bergen im Thüringer Wald. Dort mussten wir hinauf. Die Wege wurden immer schmaler und enger.

Freigespülte Luftwurzeln verhinderten, dass der ganze Fuß aufgesetzt werden konnte. Ich hatte Angst, dass ich mir die Fußgelenke lädierte. Nach dem Halbmarathon nahm die Steigung immer noch kein Ende. Der Gedanke ans Aufhören klopfte langsam an, wurde aber dadurch verdrängt, dass ich noch nie vor einer Strecke kapituliert habe. So lief ich weiter. Einmal die Bergkämme des Thüringer Waldes erreicht, kamen zwar immer wieder kleinere Steigerungen und Gefällstrecken, aber es machte Spaß zu laufen. Ich fühlte mich nun wohl und die ersten 25 Kilometer waren schnell vergessen. So lief ich von einem Versorgungspunkt zum anderen, die ca. 10 Kilometer von einander entfernt waren. Zu meiner Überraschung wurden wir namentlich begrüßt. Musik- kapellen spielten. Neben den isotonische Getränken und der für mich üblichen Marathonverpflegung gab es typisches. Haferschleim mit Grütze war angesagt. Verschiedentlich roch es nach Thüringer Bratwurst. An fast allen Verpflegungsstellen wurden Schmalzbrote angeboten. Ich hielt mich an Bananen, da wusste ich, dass es mir bekommt und genug Kohlehydrate enthalten sind.

Neben Iso-Getränken nahm ich nur Wasser zu mir. Einige Läufer wurden wie alte Bekannte begrüßt, Neuigkeiten ausgetauscht, das Laufen wurde zur Nebensache.

So ließen wir die Gipfel hinter uns. Nach ca. 50 Kilometer nahmen wir den höchsten Berg, den Gr. Beerberg mit seinen 983 Metern in Angriff. Danach kam noch der Gr. Finsterberg mit seinen 944 Metern. Nun ging es nur noch bergab in Richtung Schmiedefeld.

Unterwegs waren nur alle ca. 10 Kilometer Strecken­schilder angebracht. Manchmal hatte ich das Gefühl ich bin ganz allein unterwegs. Dann kamen mal wieder Läufer ins Blickfeld und ich wusste, die Richtung stimmt noch. Zuschauer waren so gut wie keine an der Strecke. So konnte ich mich mit mir beschäftigen, in mich hinein-hören ob alles in Ordnung ist. Zu meiner Überraschung war alles in Ordnung. Ich war ausgeglichen, keine Krämpfe. Der Kopf war frei, bleibt ja auch nicht aus bei der guten Höhenluft. Das Wetter war mit 8° C nicht gerade warm. Vereinzelt regnete es auch, aber mit meiner Kleidung hatte ich einen guten Griffgemacht. Sie war der Witterung entsprechend angemessen. Die Strapazen ließen langsam nach.

In Schmiedefeld waren die Straßen abgesperrt. Leute standen am Straßenrand. Nun wurden die Beine doch etwas schwer. Auf den letzten Kilometern wurden wir Supermarathonis lautstark begrüßt. Ich dankte mit Winken, das Lächeln fiel mir leicht. Das Ziel, 74,3 Kilometer von Eisenach entfernt, erreichte ich nach 7:31 Stunden. Die Zeit hatte ich mir auch vorgenommen und war ok. Meine Frau nahm mich in Empfang, reichte mir trockene Kleidung.

Nach Eisenach zurück gekommen, erkannten sich die Läufer in den Restaurants wieder. Es wurden Zeiten und Befinden ausgetauscht.

Ich bin glücklich und zufrieden, dass ich mich nun auch zu dem Kreis der Supermarathonis zählen darf

 

Manfred Gordon