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Wie ich Marathoni wurde!

Eigentlich laufe ich schon seit über 20 Jahren. Wettkampfmäßig aber erst seit 1996, also mit einem stattlichen Alter von 45 Jahren. Ich hechelte über den Ilmenau-Parcour in der strammen Zeit von 53:00 Minuten.

Da sagte mir unser jetzige Vorsitzende Achim Leip, wenn du jetzt noch aufhörst zu rauchen, dann schaffst du den Marathon.

Ich kam ins Grübeln. Es dauerte immer noch bis Ende August bis ich die letzte Zigarette rauchte. Aber ich trainierte schon fleißig. Das Frühjahr 1998 kam. Vier Tage in der Woche wurde trainiert. Da kamen 55 - 60 km zusammen. Tipps bekam ich von Läufern, die einen oder mehrere Marathons durchgestanden haben. Viel habe ich mir nicht vorgenommen, ich wollte ankommen und wenn ich ankomme, dann unter 4:00 Stunden. Beides habe ich geschafft. Meinen ersten Marathon lief ich in 3:56 Stunden. Ich war total platt, hatte den bekannten Leistungseinbruch nach ca. drei Stunden und im Ziel den „Tunnelblick", so dass ich meine Frau am Straßenrand erst viel zu spät sah. Aber ich war begeistert und hatte Lust auf mehr. Seit dem laufe ich zwei Marathons im Jahr. Im Frühjahr in Hamburg und im Herbst in Berlin. Ich habe mich auch kontinuierlich gesteigert. Heute laufe ich 3:08 Stunden. Das Training musste ich etwas steigern. Während ich für den Ersten 55- 60 km pro Woche trainierte sind es heute in der Marathonvorbereitung zwischen 90 und 110 km pro Woche.

Ein Höhepunkt war die Eröffnung der Öresund-Brücke mit einem Halb­marathon Pfingsten 2000, ein weiterer der New York Marathon 2001, den hat mir meine Frau zum 50. Geburtstag geschenkt.

Durch das Laufen hat sich bei mir einiges verändert. Ich bin ausgeglichen und ruhiger, ja gelassener und sollte mich doch mal etwas nerven, dann ich ziehe meine Laufschuhe an und laufe 'ne Stunde durch die Gegend. Davon haben wir ja hier reichlich. Zum Laufen brauche ich nur gute Laufschuhe. Ich brauche keine Sport- oder Schwimmhalle, bin mit mir und meinen Gedanken alleine und kann die Seele baumeln lassen. Das ist das, was mich am Laufen so fasziniert. Ich kann alleine laufen, aber auf meinen Longjogs begleitet mich meine Frau auf dem Fahrrad. Das Tempo ist so hoch, dass wir uns noch locker unterhalten können. Und in zwei bis drei Stunden erzählen wir uns eine ganze Menge.

Zwei Wochen vor einem Marathon bin mental schon im Wettkampf und kaum noch ansprechbar. Dass ich den Marathon nicht schaffen könnte, daran verschwende ich keinen Gedanken mehr. Aber schaffe ich meine gesteckten Ziele? Steigerungen sind kaum noch möglich und wenn dann nur noch im Minutenbereich. Bisher hat immer alles bestens gepasst. Das Wetter war meistens gut und die Stimmung sowieso.

Und wenn ich nicht mehr schneller werden kann, so kann doch die Strecke länger werden. Da ist ja noch was im Angebot.

 

Manfred Gordon