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Torsten Kruckenberg besteht Hitzeschlacht beim Ironman in Frankfurt

Die deutsche Triathlonlegende Jürgen Zäck wurde beim Ironman Germany in Frankfurt Zweiter hinter Sieger Lothar Leder und brachte es nach dem Rennen auf den Punkt: „Das war heute schlimmer als Hawaii!" Gemeint hatte er die Hitze vor allem beim abschließenden Marathon. Es herrschten 35° Grad im Schatten, der am Mainufer aber kaum zu haben war. Gelaufen wurden die 42.2 km am Fluss entlang in der prallen Sonne.

 

Morgens um sieben Uhr, als die Sonne gerade hinter den Wäldern des Langener Waldsees aufging, waren bereits 15000 Zuschauer versammelt und bereiteten den knapp 2000 Triathleten einen Gänsehaut-Empfang. Den Start- schuss zum Massenstart feuerte der hessische Minister- präsident Roland Koch ab. Bruchteile von Sekunden danach, schien das Wasser des sonst so ruhig daliegenden Sees zu kochen. Es ging auf die 1.9 krn lange Schwimmrunde, die zweimal durchschwommen werden musste. Die fünfzig Profis kraulten vorne weg und die 1880 Altersklassenathleten hinterher, mit dabei der Bevenser Torsten Kruckenberg. Er schaffte den Kurs in einer für ihn exzellenten Zeit von einer Stunde und vier Minuten, damit stieg er als 440. aus dem Wasser.

Aber Kruckenbergs Stunde sollte noch schlagen. Kontinuierlich arbeitete er sich auf der anspruchsvollen 180 km langen Radstrecke vor. Berge, die Heartbreak Hill hießen oder The Beast trieben die Triathleten aus den Sätteln und der Schweiß strömte gleich literweise aus den trainierten Körpern. Es war enorm wichtig bei diesem Wetter den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Die Trinkmengen reichten weit über die 10- Litermarke an diesem Tag. Dazu mussten ständig Kalorien zugeführt werden. Fleißige Helfer reichten Energieriegel, Bananen und Gels aus reinen Kohlehydraten.

Torsten Kruckenberg kämpfte sich Platz um Platz nach vorn und nach einer Radzeit von fünf Stunden und sieben Minuten hatte er es geschafft, er „durfte" laufen. Inzwischen lag er auf Platz 297. Die Zeiten in den beiden Wechselzonen schlugen insgesamt mit sieben Minuten zu Buche. Aber kaum hatte Kruckenberg das Mainufer erreicht, wartete eine böse Überraschung auf ihn: Sein Magen rebellierte gegen die Unmengen von Wasser, Mineraldrinks und Energie- snacks. Statt ein schnelles Tempo vorzulegen, musste er froh

sein, überhaupt im Laufen bleiben zu können. Die ersten zehn Kilometer fielen enorm schwer, wie sollte es da erst mit den restlichen dreißig werden?

Aber Kruckenberg, der erfahrene Marathonläufer, bewies mentale Stärke und arbeitete sich durch die Krise. Nach und nach „dachte" er die Beschwerden „weg", oder sie verflogen tatsächlich. Je langsamer seine Konkurrenz wurde, weil sie unter der Hitze litt, um so schneller wurde der Bevenser. Mit einem bravourösen Endspurt schaffte er schließlich in einem knappen Finish die erträumte Zeit von unter zehn Stunden. Die Uhr stoppte bei 9:58:44! Eine Superleistung! Vor allem wenn man bedenkt, dass selbst Weltklasseathleten wie Lothar Leder durch das Wetter zwanzig Minuten und mehr einbüßten. Die Siegerin der Frauenkonkurrenz, Katja Schumacher aus Heidelberg, bezeichnete ihren Wettkampf, als die stärkste Leistung, die sie je erbracht hat.

Insgesamt belegte Torsten Kruckenberg den 191. Platz von 1800 gestarteten Teilnehmern, er hat den gesamten Wett­kampf über Platz um Platz gutgemacht und beim Marathon nochmal über hundert Triathleten „eingesammelt". Hier die einzelnen Splits: 1:04:10 Schwimmen, 4:49 erster Wechsel, 5:07:11 Radfahren, 2:11 zweiter Wechsel und dann ein Marathon in der Zeit von 3:40:20, alle Achtung!

Sein zweites Ziel verfehlte Torsten Kruckenberg knapp. Die Teilnahme auf Hawaii muss vorerst ein Traum bleiben. Er hatte das Pech, in der am stärksten besetzten Altersklasse zu starten. Athleten waren aus über dreißig Ländern angereist, um sich in Frankfurt die Qualifikation für das Triathlon-Mekka zu holen. Am Ende fehlten dem Bevenser Triathleten neun Minuten! Neun Minuten in einem 10-Stunden-Wettkampf! Aber wenn man bedenkt, dass in Frankfurt zwanzig über Sechzigjährige gestartet sind, bleibt dem Mitt-

dreißiger Kruckenberg noch viel Zeit.

 

Wolf-Peter Weinert