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Acht Inseln in acht Tagen

Im vorigen Jahr stand in meinem Laufkalender ein besonderer Leckerbissen. Der 3 .Nordseelauf. Die reizvollen Strecken, die zwischen 6 km und 13 km lagen, führte in diesem Jahr über alle sieben ostfriesischen Inseln und die Hamburger Watteninsel Neuwerk. Der Lauf eignete sich für Freizeitläufer und ambitionierte Wettkampfläufer. Ein einmaliges Erlebnis für jeden Sportler, Naturliebhaber und Inselfan.

Die Veranstaltung wurde von der Landeskirche und der Nordsee GmbH durchgeführt. Jedes Jahr hat die Veranstaltung ein anderes Motto. Im Jahr 2004 hieß es: Mach nicht halt Lauf gegen Gewalt! Der Lauf umfasst neun Einzeletappen, die als komplette Tour oder auch in Einzeletappen absolviert werden können. Ich meldete mich mit mehr als 175 Läufer für die gesamte Tour über die Inseln Borkum, Juist, Norderney, Baltrum, Langeoog, Spiekeroog, Wangerooge und Neuwerk an. Dazu kamen noch einige Etappenläufer und Tagesläufer, die auf den Inseln Urlaub machten, so dass an manchen Starts 500 Leute teilnahmen.

Der erste Startschuss, den unser Maskottchen gab, fiel auf dem Festland im malerischen ostfriesischen Städtchen Norden-Norddeich. Die richtige Einstimmung für das „Inselhoppinr, denn Juist und Norderney hatten wir auf dem Rundkurs bereits fest im Blick. Dorthin ging es am nächsten Tag. Mittags liefen wir auf der Insel Juist und am späten Nachmittag auf Norderney. Die Starts waren von den Gezeiten abhängig. An einem Tag kamen wir am späten Abend in unserer Unterkunft, die in Esens-Bensersiel war, an und am nächsten Morgen legte die Fähre bereits um 7:30 Uhr ab. Das Orga-Team war immer mit uns auf der gleichen Fähre. Nach der Ankunft musste der Start- und Zielbogen aufgebaut, die Zeitmesseinrichtung installiert und Bandenwerbung angebracht werden. Diese Zeit bis zum Start nutzten wir, um die Insel kennen zu lernen oder einfach zum relaxen. Die Laufstrecken auf den Inseln wurden von den örtlichen Sportvereinen festgelegt. Dadurch mussten wir auf sehr unterschiedlichem Untergrund laufen, vom knöcheltiefem Sand über Verbundsteine und Asphalt bis zum unbefestigten Wirtschaftsweg war alles vertreten. Schnell hatten sich Gruppen und Grüppchen gebildet, die meist in einer Unterkunft oder zumindest in der Nähe untergebracht waren. In unserer • Gruppe waren wir 9 Leute. Von der absoluten Anfängerin bis zum mehrfachen Marathon- und Ultraläufer war alles vertreten. Es hat Spaß gemacht, Trainingspläne und Erfahrungen aus- zutauschen. Abends saßen wir nach dem Essen bei einer Apfelschorle oder Bier zusammen und klönten. Es kamen fast alle aus dem norddeutschen Raum. Einige der Teilnehmer sahen das Ganze verbissen als Wettkampf an. Andere wiederum sahen es als Aktivurlaub. Jedenfalls hatten alle ihren Spaß. So vergingen die Tage und die Etappen.

Ein Erlebnis der besonderen Art war auch die Schlussetappe von der Insel Neuwerk nach Cuxhaven. Morgens wurden wir mit dem Schiff zur Insel hinüber gefahren. Das Schiff war bis zum letzten Platz restlos ausgebucht Über 500 Leute hatten sich für diesen einzigartigen Lauf angemeldet. Welcher Läufer findet wohl sonst die

Gelegenheit, barfuß oder auch in Laufschuhen, direkt auf dem Meeresboden seinen Wettkampf zu absolvieren. Um 14:00 Uhr sollte der Start sein. Die Wattwagen mit unseren Sachen waren bereits unterwegs. Ein sehr starker Nordwestwind ließ aber

die Priele nicht leer laufen. Wir konnten noch nicht starten. So suchten wir uns windgeschützte Ecken und Winkel, um nicht zu sehr auszukühlen. Schließlich starteten wir mit eineinhalbstündiger Verspätung von Neuwerk. Trotzdem waren einige Priele noch knietief. Einige liefen zu schnell in die Priele und stürzten. Nach 12 km war Cuxhaven erreicht. Wir wurden mit großem Applaus empfangen. Jeder war ein Sieger. Nachdem alle Teilnehmer in Cuxhaven ihre Etappe beendet hatten, fand eine große Abschlussparty statt. Etappensieger wurden ja täglich geehrt, nun aber wurden der Gesamtsieger bzw. die Gesamtsiegerin bekannt gegeben.

So liefen wir in dieser Woche locker 93 km, eine ganz normale Trainingswoche mit Wettkampfcharakter. Es hat Spaß gemacht und ich werde in diesem Jahr wieder an der Veranstaltung teilnehmen.

Manfred Gordon