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150 Jahre MTV Bad Bevensen

Ein kleiner Überblick

Am 23. Mai 1861 unterschrieben 25 Männer in Bevensen das Gründungsprotokoll des „Männer-Turnverein zu Bevensen“. Bereits ein Jahr später hatte sich der junge Verein etabliert, sich eigene Grundgesetze (Satzung) gegeben und die Bevenser Frauen hatten eine (heute noch erhaltene) Vereinsfahne gestiftet. Welche weitere Entwicklung ihr MTV damals noch vor sich haben würde, das ahnte damals sicher niemand.

 

Damals gab es noch nicht die Vielfalt des heutigen Sportlebens. Es wurde nur geturnt und die Besuche von Turnfest auf örtlicher und auch überregionaler Ebene stellten ganz besondere Erlebnisse im Leben der Turner dar. Aber Gesang, Fröhlichkeit und die Pflege der Gemeinschaft waren schon damals wesentliche Eckpfeiler des Vereinslebens. Das soziale Leben war damals noch nicht von sehr vielen Vereinen geprägt und so kann man als gesichert annehmen, dass sich der junge MTV als starke gesellschaftliche Gruppe entwickelte.

Dies zeigte sich auch im Jahre 1869, als aus den Reihen der Turner die „freiwillige Turner-, Feuerlösch- und Rettungsschar zu Bevensen“ gebildet wurde, die heute als Freiwillige Feuerwehr unverzichtbar ist.

Der Wunsch nach Hallenzeiten ist schon 1896 dokumentiert, als die Gründergeneration mit dem Magistrat der Stadt Verhandlungen über den Bau einer Turnhalle aufnahm und dafür auch Zuschüsse des Vereins in Aussicht stellte.

Der erste Weltkrieg sorgte dann für Stagnation in der Vereinsentwicklung und viele, viele Männer mussten ins Feld. Zeitweise fanden die Turnabende im Schützenhaus statt, weil die inzwischen entstandene Turnhalle als Lazarett genutzt wurde. 14 Vereinsmitglieder starben – wie es in der Chronik vermerkt ist – den „Heldentod“.150jahre_1

Das Kriegsende bedeutete auch einen neuen Anfang für den MTV Bevensen. Im Jahre 1919 trat der erst 1912 gegründete „Fußballclub Union“ dem MTV bei und bereicherte das Angebot. Geübt wurde damals auf dem gepachteten Sportplatz am Niendorfer Weg und für die hinzukommenden Fußballer wurde ausdrücklich festgelegt, dass für diese „keine Turnpflicht“ besteht.

1920 wurde eine Schwimmsparte gegründet. Treffpunkt war die Badeanstalt in der Ilmenau am Klaubusch. Erstmals gründete sich in dieser Zeit auch eine Damenriege und 1921 wurde ein großes Stiftungsfest begangen. Im gleichen Jahr pachteten die rührigen Turner auch ein neues Gelände am Secklendorfer Weg und legten dort einen Sportplatz an, der dann über viele, viele Jahre – vor allem vom BSV Union – genutzt wurde, bis er in den 80er Jahren als Baufläche für die DIANA-Klinik benötigt wurde. Eine „Knaben-Abteilung“ wurde 1922 gegründet und als besondere Errungenschaft gab es in diesem Jahr auch elektrisches Licht für die Turnhalle. Ebenfalls 1922 trennte man sich wieder von den Fußballern, die wieder ihren eigenen Verein bildeten.

Im Jahr darauf wurde erstmals das Sportabzeichen verliehen, das erst wenige Jahre zuvor gestiftet worden war. Die Inflation sorgte für monatliche Mitgliedsbeiträge von 200.000 Mark.

Mit großem Weitblick und auch einer gehörigen Portion Mut schuf sich der damals knapp 300 Mitglieder starke Verein 1929 eine neue sportliche Heimstatt: Im Kiebitzmoor wurde ein großes Grundstück erworben und als Sportplatz hergerichtet. Der Platz wurde nach dem Vereinsgründer „Hans-Höhrmann-Platz“ benannt und war als „Hansi“ über Jahrzehnte ein wichtiger sportlicher Treffpunkt. Als spaßige Randbemerkung ist noch die Rasenpflege in dieser Zeit durch vereinseigene Schafe anzumerken. Heute dient er als Schulsportanlage und befindet sich noch immer im Eigentum des MTV.

Das „3. Reich“ warf nun schon große Schatten auf den Verein. Die braunen Machthaber sorgten sehr bald nach der sogenannten „Machtergreifung“ dafür, dass das Führerprinzip in allen Vereinen eingeführt wurde. Auch die bewährte Vereinssatzung wurde durch eine Einheitssatzung ersetzt und das einzuführende „Wehrturnen“ war ebenfalls ein Zeichen der neuen Zeit. Durch Weisung wurde auch der BSV Union wieder in den MTV „eingegliedert“. Schon bald kam der Sportbetrieb mehr und mehr zum Erliegen, weil alle Männer in den Krieg ziehen mussten. Viele von ihnen ließen ihr Leben im 2. Weltkrieg.

Schon 1946 taten sich in Absprache mit der Militärverwaltung und der Stadtverwaltung einige MTV-Mitglieder zusammen. Trotz unendlicher Probleme und Schwierigkeiten gelang es, den Sportbetrieb wieder in Gang zu setzen. Die Mitgliederzahl war inzwischen auf deutlich unter 200 gesunken. Die Fußballer verselbständigten sich wieder, eine Handballsparte wurde gegründet. Die Menschen hungerten auch nach Fröhlichkeit und so wurden vom MTV auch Neujahrsbälle und andere Festlichkeiten ausgerichtet. Viele neue Sportarten wurden angeboten. Tischtennis, Boxen, Leichtathletik, Faustball, Schauturnen, Kindermaskeraden, Turnfeste und anderes bereicherten das Angebot. Die Einweihung des Rosenbades (1956) gab ebenfalls neuen Schwung. Der Verein wuchs stetig und es gelang auch, weitere Flächen am Hans- Höhrmann-Platz zu erwerben.

150jahre_2Nicht nur in der Breite und Vielfalt der Angebote wurde zugelegt: Auch die sportlichen Erfolge nahmen zu. Die Schwimmer und Turner siegten auf Bezirks- und Landesebene, Tischtennis war sogar auf einer deutschen Meisterschaft vertreten, die Handballer spielten hochklassig und auch andere Abteilungen traten überregional erfolgreich an. So war es kein Wunder, dass der Verein gleichmäßig und unaufhaltsam wuchs. Am 1.1.1960 wurden 446 Mitglieder gezählt. Zum letzten Mal waren dabei mit 224 Mitgliedern die Männer in der Überzahl. Im Mai 1970 wurde das 500. Mitglied begrüßt. Im Jahre 1976 wurde der MTV mobil: ein grüner Ford-Transit war der erste „MTV-Bulli“ und für die Mannschaftssportarten ein Segen.

1977 waren es schon 886 Mitglieder, die in 15 verschiedenen Abteilungen ihrem Sport nachgingen. Der damalige Vorsitzende erkannte während einer Hauptversammlung, dass bei 900 Mitgliedern die natürliche Grenze des Vereins liege und mehr auch ehrenamtlich nicht bewältigt werden könne. In diesem Jahr änderte sich auch der Vereinsname, indem ein „Bad“ hinzukam. Die Faustballer des MTV Bad Bevensen richteten im selben Jahr auch eine Deutsche Meisterschaft aus.

Die sportliche Entwicklung ging immer weiter: Die neu gebildete Leichtathletikabteilung hatte große Erfolge auf Landes- und sogar auf Bundesebene, die Basketballer waren eine „Macht“, Badminton und Volleyball hatten riesigen Zulauf und auch eine Behindertensportabteilung wurde gegründet. Als einer der ersten Vereine in Niedersachsen bot der MTV „Koronarsport“ an.

Am 12.07.1984 wurde das 1.000 Mitglied in den Verein aufgenommen. Die unglaubliche Erfolgsgeschichte war jedoch damit noch lange nicht beendet. Immer wieder wurden neue Angebote entwickelt, von denen viele auch dauerhaft ihren Platz im MTV fanden. Schon die Gründer hatten stets viel Weitblick bewiesen. Angesichts der überaus positiven Vereins-Entwicklung erkannten 1986 auch deren Nachfolger, dass man sehr langfristig handeln muss, und legten einen Bausparvertrag an, um später einmal ein Vereinsheim finanzieren zu können. In diesem Jahr wurde auch der 125. Geburtstag begangen und der Verein erhielt mehrere Auszeichnungen, so die Sportplakette des Bundespräsidenten und den Walter-Kolb-Schild des Deutschen Turnerbundes.

1990 wurde der Ilmenau-Lauf ins Leben gerufen, der seither als einer der beliebtesten Volkslauf-Veranstaltungen der Region jeweils am Muttertag viele Läuferinnen und Läufer nach Bad Bevensen lockt. Seinen Teilnehmerrekord erreichte die Veranstaltung im Jahre 2001 als insgesamt 1.238 Sportler auf gezählt wurden.

Im Jahre 2000, der Verein weist erstmals eine Bilanzsumme von über 1 Mio. DM aus, gibt die Mitgliederversammlung „grünes Licht“ für den Bau eines Vereinsheimes, das nach gründlicher Planung und knapp 8 Monaten Bauzeit am 12.01.2002 als MTV-Sportzentrum in feierlichem Rahmen eingeweiht werden konnte. Neben Vereinsräumen, einer kleinen Halle, Umkleiden, einem Saunabereich ist ein modernes Fitnessstudio das Herz der Anlage, zu dem auch großzügige Parkplatzflächen und zwei Beachvolleyballfelder gehören.

2002 wird der Verein für seine gute Frauenarbeit vom Landessportbund ausgezeichnet. Sicher auch als Folge der neuen Anlage werden 2004 erstmals 1.800 Mitglieder gezahlt von denen inzwischen ca. 1.000 weiblich sind. 2004 erhält der Verein vom Niedersächsischen Turnerbund die Gütesiegel „Pluspunkt Gesundheit“ und „Sport pro Gesundheit“ für den Bereich Herzgruppensport verliehen. Erstmals hat der MTV nun auch hat eine eigene Homepage im Internet. Außerdem erwirbt der Verein neben seinem Sportzentrum ein Nachbargrundstück, um eventuell dort einmal eine eigene Sporthalle bauen zu können.

Inzwischen hat sich die Mitgliederzahl bei etwa 1700 Mitgliedern eingependelt und die vielfältigen Angebote berücksichtigen auch und besonders die demographischen Veränderungen der Gesellschaft. Zunehmend wird es auch immer schwieriger, geeignete Übungsleiter zu finden.

Trotz allem ist der MTV aber stolz darauf, dass er am 23. Mai 2011 seinen 150. Geburtstag feiern kann und sich dann als nach wie vor ehrenamtlich geführter Verein darstellt, der dank weitsichtiger Beschlüsse und klugem Handeln auch über eine solide wirtschaftliche Basis verfügt und damit gerüstet ist für viele weitere erfolgreiche Jahre.

Sportlich bieten sich den Mitgliedern und Interessenten heute Angebote in einer Breite, wie die in der Geschichte des MTV noch niemals in dieser Vielfalt und Güte möglich war und es gibt heute von A – Z viele Angebote:

 

Akrobatik Gerätturnen Leichtathletik Tischtennis
Badminton Gymnastik Männer 50 plus Trampolin
Basketball Judo Männerfitness Turnen
Bauch-Beine-Po Karate Radsport Versehrtensport
Body-Fit Kickboxaerobic Schwimmen Volleyball
Fitnesspark Kinderturnen Step-Aerobic Wohlfühlgymnastik
Fit älter werden Koronarsport Sportabzeichen Walking
Fußballtennis Lauftreff Triathlon

 

Die interessante Geschichte des MTV ist gründlich aufgearbeitet und bis 1986 als Heft 8 der Schriftenreihe des Bad Bevenser Stadtarchivs veröffentlicht. Zum 150. Vereinjubiläum wurden auch die letzten 25 Jahre umfassend dokumentiert. Diese Chronik(en) verknüpfen Orts- und Zeitgeschichte mit der Entwicklung des größten Bad Bevenser Sportvereins und geben so manch interessanten oder auch amüsanten Einblick. Sie erhalten die Chronik(en) beim MTV und im örtlichen Buchhandel.

Martin Schultz